Das Glaubensbekenntnis des Gesandten (The Messenger’s Creed Q 2:285)

The following text/audio is a German translation on Q 2:285 to a longer English article on Church canon law and qur’anic law to be published in the near future. Enjoy!

 

Sure 2 Vers 285Das Glaubensbekenntnis des Gesandten

Woran glauben Muslime? Ähnlich wie im Christentum drücken sie das in kurzen, prägnanten Glaubensbekenntnissen aus. Das bekannteste ist die Schahada. Sie lautet: “Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist der Gesandte Gottes.” Es gibt aber noch mehr Glaubensbekenntnisse im Islam.

Von Dr. Emran El-Badawi, Universität Houston, Texas, USA

“Der Gesandte glaubt an das, was ihm von seinem Herrn herabgesandt, und auch die Gläubigen: Ein jeder glaubt an Gott und seine Engel, seine Bücher und seine Gesandten – wir unterscheiden zwischen keinem seiner Gesandten! Sie sprechen: ‚Wir hören und gehorchen! Vergib uns, unser Herr!‘ Und: ‚Zu dir hin ist das Ziel.‘”

Auf diesen Koranabschnitt bezieht sich das, was hier das Glaubensbekenntnis des Gesandten genannt wird.

Teaserbox zur Sendereihe "Koran erklärt" im Deutschlandfunk

Die Sendereihe Koran erklärt als Multimediapräsentation

In der späteren islamischen Tradition erklärt das Hadith-Schrifttum, also die Bücher zu den Überlieferungen Mohammeds, die doktrinären Elemente dieses Verses zu den Grundsätzen des Glaubens – arabisch: arkân al-îmân.

Das sind Gott, die Engel, die Heiligen Schriften, die Gesandten und die Vorherbestimmung. Offenkundig gibt es eine Entwicklung vom “urmuslimischen” Glauben auf Basis des Korans hin zu einem feststehenden Gebilde des “muslimischen” Glaubens auf Basis des Hadith.

Jahrhunderte nach der Offenbarung entstand die Auslegungsliteratur zum Koran. Sie liefert wertvolle kleine Hinweise auf den intertextuellen und historischen Hintergrund von Sure 2 Vers 285. Aber sie erläutert wenig zu den rechtlichen, philologischen und hagiographischen Details.

Dieser Vers ist einer von mehreren Glaubensbekenntnissen im Koran. Um die Doktrin zu bekräftigen, benutzt er die klar umrissene Terminologie der christlichen Glaubensbekenntnisse – und zwar so, wie sie am Vorabend des Islams vorgetragen wurden; oder allgemeiner gesprochen, wie sie in der Spätantike etwa vom 2. bis 7. Jahrhundert kursierten. Hören wir Auszüge aus dem Nicäanischen Glaubensbekenntnis:

“Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
….
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
…..
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen.”

Ähnlich klingt das heute verbreitetere apostolische Glaubensbekenntnis. So wie das Glaubensbekenntnis des Gesandten bezeugen das nicäanische und apostolische Glaubensbekenntnis erstens den Glauben an Gott, zweitens den Glauben an die Vergebung der Sünden und drittens den Glauben an die Auferstehung und das Leben nach dem Tod.

Wenig überraschend widerspricht das Bekenntnis des Gesandten in Bezug auf Jesus Christus und den Heiligen Geist. Die Menschwerdung Gottes und die Trinitätslehre werden zurückgewiesen. Ganz eindeutig heißt es: “Wir unterscheiden zwischen keinem seiner Gesandten!”

Ferner werden das nicäanische wie das apostolische Bekenntnis als Akt einer gemeinschaftlichen Rede verkündet. Es heißt: “WIR glauben an….” Darin spiegeln sich die Ursprünge in den Konzilen und Synoden der Ostkirchen wider.

Dieser Brauch wird im Bekenntnis des Gesandten und dessen Abwandlungen bewahrt. Hier heißt es: “WIR” beziehungsweise “ALLE glauben an….” Gelehrte argumentierten, bestimmte Koran-Passagen seien in Form theologischer Glaubensbekenntnisse ausgedrückt worden, um die christlichen Bekenntnisse, wo sie Trinität und Menschwerdung umfassen, zu widerlegen. Es kann gut sein, dass die vier Verse aus Sure 112 mit Namen “Das reine Gottesbekenntnis” eine solche “Widerlegung” darstellen.

Wohingegen einige längere und diskursivere Koran-Passagen ebenfalls in Form theologischer Bekenntnisse in den Suren 2, 3 und 4 gut als Bestätigung der Doktrin dienen können. Wie in dieser Sendung gezeigt, ist der erläuterte Vers eine dieser Bestätigungen.

Porträt von Emran El-Badawi vor schwarzem Hintergrund. (prov.)

Emran El-Badawi ist Programmdirektor der Middle Eastern Studies und lehrt als Associate Professor. (prov.)

Die Audio-Version musste aus Gründen der Sendezeit leicht gekürzt werden.

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